Bergsteigerkapelle Vent

NATUR, GESCHICHTE, KUNST UND GLAUBE AUF KLEINSTEM RAUM

Bergsteigerkapelle Vent

EIN GANZ BESONDERER ORT FÜR GANZ BESONDERE AUSSTELLUNGEN
Es gibt eine bestimmte Stelle in der Kapelle, an der einfach alles auf dich einwirkt: Zum Berühren nah und sehr berührend: Jesus am Kreuz. Dahinter die Brücke über der Schlucht, durch die der Gletscherbach, die Rofenache, tost. Daneben der Weg, der zu den Rofenhöfen führt und sich im Sommer in die Freiluftgalerie BARTEB‘NE verwandelt. In zweiter Reihe die Berggipfel mit der 3.406 m hohen Talleitspitze als höchste Erhebung. Einfach überwältigend!

 

Die kleine, weiße Bergsteigerkapelle geht unter die Haut. Weil sie trotz ihrer Schlichtheit ein großes Geheimnis birgt, das nur hier, in den Bergen, seinen Ursprung haben konnte. Du möchtest sie gern zulassen und bist bereit, dich für die wechselvolle 50-jährige Geschichte dieses hochspirituellen Platzes zu öffnen. Für die Bergsteigerkapelle von Vent. Du stehst auf den alten Planken aus Lärchenholz und lauschst mit leichtem Schaudern, welchen Zweck die kleine, weiße Kapelle einmal erfüllte.
Als Aufbahrungsort soll sie gedient haben, für verunglückte Bergsteiger, die nicht von hier waren. Die als Fremde kamen, aber ihre Seele für immer hier ließen. Die abgestürzt waren in den Bergen, die sie unterschätzt hatten. Unerfahren die meisten, einsam unterwegs. Von niemandem betrauert – erst einmal. Einen würdevollen Rahmen bot der schlichte Raum in der Kapelle für jene, die 49 über sich hinauswachsen und die höchsten Gipfel bewältigen wollten. Die es nicht geschafft hatten, doch selbst im Tod hoch oben bleiben durften. 1936/1937 wurde die heutige Kapelle noch ausschließlich als „Feuerwehrhüttl“ erbaut. Im Januar 1951 zerstörte eine Lawine mehrere Gebäude in Vent. Auch einen Toten hatte es gegeben. „Das Feuerwehrhaus in Vent wurde mit dem gesamten Inventar zerstört, nur die Motorspritze konnte gerettet werden“, stand damals in der Tiroler Bauernzeitung zu lesen.
Noch im gleichen Jahr wurde ein neues Feuerwehrhaus errichtet. Zwei Funktionen sollte es erfüllen: als Geräteraum und als „Totenkapelle“ für verunglückte Bergsteiger. Nach dem Bau einer Leichenhalle bei der Kirche und eines Mehrzweckhauses mit integrierter Feuerwehrhalle verfiel die alte „Totenkapelle“.
Erst im Sommer 2012 wurde sie renoviert und in „Bergsteigerkapelle“ umbenannt. Samt kleinem Park, der sie umgibt, wird sie seitdem im Rahmen der Kultur-Veranstaltungsreihe ARTeVENT als Ausstellungsort für Fotografie und Kunst genutzt. Nichts erinnert mehr an die Dramen, für die sie einst stand. Und doch strahlt sie etwas ganz Besonderes aus: Natur, Geschichte, Kunst und Glaube auf kleinstem Raum. Du spürst es an dieser bestimmten Stelle, wo einfach alles auf dich einwirkt.

Im Sommer wurde sie mit Hilfe und Mitteln des Ötztal Tourismus und der Gemeinde Sölden renoviert, saniert, umgetauft auf den Namen "Bergsteigerkapelle" und erwachte im Rahmen der Veranstaltung ArteVent mit einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier aus ihrem Dornröschenschlaf.
Sie wurde für eine Fotoausstellung des Naturpark Ötztal genutzt; desweiteren gibt es jährlich themenbezogene Ausstellungen in der Kapelle. Durch die zentrale Lage mitten im Dorf und idyllisch am Bach lädt der parkähnlich angelegte Außenbereich mit vielen Bänken gerne zum Verweilen und Innehalten ein!